Salut mes amis!
Gestern hat es nach fünf Gängen zur Bank und einem frühen Termin dort endlich wirklich geklappt, unser neues französisches Konto zu eröffnen. Das war ein richtiges Erfolgserlebnis - wir haben es ganz ohne Hilfe geschafft - wenn man bedenkt, dass es bei unseren Vorgängern hier in Montpellier nicht einmal mit tatkräftiger Untersützung seitens der evangelischen Kirche, bei der wir hier arbeiten, funktioniert hat! Was keinesfalls an ihnen, sondern viel mehr an der Bürokratie Frankreichs zu liegen scheint. Da soll nochmal jemand in Deutschland schimpfen! Aber wie die Franzosen hier so sind, nimmt man alles ganz locker und mit viel Geduld und wenn man Glück hat - so wie wir - dann erreicht man auch irgendwann, was man wollte.
Ansonsten hatten wir gestern den Tag unerwartet frei. Unser Termin am Abend wurde uns gestrichen, somit hatten wir den Abend zur freien Verfügung und sind erneut zu "Les Estivales" gegangen, wo wir uns gut amüsiert haben. Ja, die Franzosen machen sehr gerne Musik, lieben Märkte und feiern gern. Und genau das lieben Ute und ich so an dieser Stadt.
Wir mussten gestern auch unbedingt einmal unsere nigelnagelneue Tramkarte ausprobieren. Einfach, weil wir sie jetzt endlich haben. Damit machten wir uns gestern Mittag auf den Weg ins Odysseum. Das ist ein relativ großes Einkaufszentrum etwas außerhalb von Montpellier. Auf der Suche nach Flipflops für Ute (sie ist tatsächlich hierher gereist ohne Flipflops oder Sandalen im Gepäck!) und einem Schlüsselanhänger für meinen neuen Haustürschlüssel, sind wir nach gefühlten 1000 Schuhgeschäften auch fündig geworden. Wer hätte es gedacht, aber nirgendwo findet man so schöne, günstige und hochwertige Flipflops wie in dem von mir heiß geliebten Sportgeschäft Décathlon.
| Ikea-Eis ist bezahlbar |
Gestern gab es nach 9 Tagen im sonnigen, heißen Süden Frankreichs auch unser erstes Eis! Hier zu Lande ist diese erfrischende Speise leider so gut wie unerschwinglich. Aber das gute alte blau-gelbe Einrichtungsgeschäft aus Schweden lässt einen niemals im Stich. Das Softeis ist eine wahre Köstlichkeit bei diesem Wetter!
Heute mussten wir für unsere französischen Verhältnisse ziemlich früh aufstehen. Ich spreche gerade von 7:30Uhr, denn wir mussten uns schon um 9:30Uhr zu einer Besprechung der École biblique eintreffen. Wir hatten vorher nicht ganz genau nachgeschaut, wie oft die Tram so fährt und wie lange wir unterwegs sein würden und mussten um Punkt neun Uhr völlig überrascht feststellen, dass in fünf Minuten die letzte Bahn kommt, mit der wir noch die Möglichkeit hätten pünktlich am Ziel anzukommen. Völlig überhastet stürmten wir aus dem Haus, zumindest kamen wir bis zur Haustür und mussten leider feststellen, dass wir unseren Haustürschlüssel nicht dabei hatten. Das merkt man hier wenigstens, bevor man das Haus verlässt und sich ausschließt, denn man kann unsere Haustür nur mit Schlüssel öffnen. So strichen die Sekunden davon und wir mussten uns tierisch beeilen die Tram noch zu bekommen. In der Tram hatten wir eine ziemlich seltsame Begegnung mit einer Frau mit zwei Hunden, die an einer Station zusteigen wollte, allerdings ziemlich spät dran war und die sich schließende Tür mit bloßer Hand aufdrücken wollte. Anstatt einmal auf den Türknopf zu drücken, der die Funktion besitzt die Türen zu öffnen, hämmerte sie wie wild geworden vor die Türe und kämpfte so lange mit ihr, bis sie gezwungenermaßen irgendwann nachließ und sich doch noch einmal für die sehr verärgerte und anscheinend schlecht gelaunte Dame öffnete.
So kamen wir letztendlich im französichen Rahmen pünktlich mit einer Verspätung von nur etwa fünf Minuten bei der Arbeit an. Wir erarbeiteten also mit unseren zugeteilten Kollegen jeweils verschiedene séances der École biblique. Es war anfangs ziemlich langweilig und anstrengend zugleich, weil ich nicht wirklich verstand, was ich planen sollte (es stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass ich so einiges missverstanden hatte) und meine Kollegin ohne Punkt und Komma mir ihre Ideen versuchte zu erklären. Nachdem die frühen Morgenstunden vergangen waren und ich ein paar Tassen ziemlich starken Kaffees hinter mit hatte, fiel es mir deutlich leichter mich in die Planung mit neuen Ideen einzubringen und mir schien, als würde ich mich langsam aber sicher an die französische Sprache gewöhnen. Meine samstägliche Arbeit endete um kurz nach 17Uhr und ich war unglaublich froh, mich ein wenig entspannen zu können. Es ist schon sehr anstrengend sich einen ganzen Tag intensiv auf einer Fremdsprache zu unterhalten und dabei auch noch gleichzeitig kreativ zu sein!
Zur Entspannung haben Ute und ich es das erste Mal gewagt in Frankreich joggen zu gehen. Da wir nicht allzuviel Zeit hatten, weil wir Besuch erwarteten und uns noch nicht so gut hier auskennen, liefen wir also eine uns sehr gut bekannte Strecke: am Parc Peyrou vorbei bis zum Jardin des Plantes und einmal im Bogen zurück und mitten durch die Innenstadt. Ich glaube wir beide waren heute das Highlight und wurden nicht schlecht bestaunt. Heute hat es hier nämlich nach einigen Wochen Trockenzeit den ganzen Tag geregnet. Und wenn es regnet dann traut sich der Franzose nur in äußerst dringenden Fällen auf die Straße. Wobei der Place de la Comédie davon ausgenommen ist, den erlebt man niemals leer. Für Ute war dies auch ein ganz besonderer Moment, weshalb sie auch hochmotiviert quasselnd neben mir her joggte, denn sie ist normalerweise eher die Musikalische. Wir ergänzen uns eben sehr gut.
Nach einer schnellen Dusche - der Platzregen hätte es eigentlich auch getan, wenn wir nicht gerade als es losging zu Hause angekommen wären - kam auch schon unser Besuch vorbei, den wir bereits im Juni bei unserem Kurzbesuch in dieser Stadt kennengelernt haben. Es war schön mal eine uns bekannte Person zu treffen und nach einem Abend mit sehr intensiven und spannenden sowie amüsanten Gesprächen hatten Ute und ich das Gefühl heute einen sehr großen Schritt nach vorn in Sachen Fremdsprachenkenntnisse gemacht zu haben.
Aber ich höre jetzt schon mein Bettchen rufen, in das ich wohl très fatiguée fallen werde und mich auf Sonntag, an dem wir eventuell auch arbeiten müssen, freuen kann.
Bonne nuit tout le monde!
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