Freitag, 29. August 2014

Plötzlich wieder Deutschland

Hallo meine lieben Leser,

nun bin ich wieder zurück in Deutschland. Samstagabend bin ich mit Ute gelandet und habe mich direkt auf den Weg zum Rückkehrerseminar in Bonn gemacht. Schon die ersten Minuten auf deutschem Boden waren ziemlich merkwürdig. Zunächst überraschte mich das viele Grün, als wir über Deutschland zur Landung ansetzten. Am Flughafen redeten auf einmal alle Deutsch, was komisch zu hören war. Kleine Missgeschicke passierten mir aus Gewohnheit, wie z.B. dass ich über die Leute, die vor mir in der Warteschlange standen, sprach und mir im nächsten Moment, als sie sich zu mir umdrehten, klar wurde, dass ich hier nun verstanden werde, wenn ich Deutsch spreche. Ich war verwirrt, als ich wieder überlegen musste, in welchen Mülleimer ich meinen Müll werfen muss und dass ich meine Pfandflaschen nicht wegwerfen darf. Im Zug wollte ich immer die Leute auf Französisch ansprechen, das Deutsch ging mir richtig schwer von den Lippen. Wenn ich angerempelt wurde rutschte mir immer ein "Pardon!" heraus. Es sind so viele Dinge, an die man sich das Jahr über gewöhnt hat und die jetzt so anders sind.

Das Seminar war richtig schön. Es hat gut getan sich mit den anderen Freiwilligen über ihr Jahr und ihre Erlebnisse bei der Rückkehr zu unterhalten. Es war einfach so schön alle wiederzusehen. Mir hat das Seminar viel mitgegeben und mich auf meine Rückkehr nach Hause gut vorbereitet. Dennoch war ich ziemlich überwältigt von den vielen Eindrücken, als ich wieder in unserem Haus war. Eigentlich war alles so normal, aber mir fällt jede noch so geringe Veränderung auf. Ich fühle mich noch ziemlich fremd hier in Deutschland und muss erstmal akzeptieren und kapieren, dass ich nicht in wenigen Tagen wieder zurück nach Montpellier reisen werde. 

Das hier ist mein letzter Blogeintrag. Mein Jahr in Montpellier ist vorbei - es war génial! Ich danke euch, dass ihr so fleißig meinen Blog gelesen habt und mitverfolgt habt, was ich so ich Frankreich machte und erlebte. Ich rate euch auch so ein Jahr zu machen! Es war das beste meines bisherigen Lebens und ihr verpasst so viel, wenn ihr euch diesen Schritt nicht traut. 

Ganz liebe Grüße,

eure Lea


Samstag, 23. August 2014

Fêtes de la Saint Louis

Salut salut!

Ute und ich haben es uns trotz knapper Zeit hier in Montpellier nicht nehmen lassen zur Fête de la Saint Louis nach Sète zu fahren. Davon hatten wir schon letztes Jahr im Oktober das erste Mal etwas von gehört und wollten da so gerne hin und zum Glück fiel das Datum genau auf unsere letzte Woche hier in Frankreich. Also sind wir dort gestern hingefahren und haben uns das berühmte traditionelle Lanzenstechen ("joute") von den kleinen Jungs angeschaut. Es war richtig aufregend für Ute und mich und es hat sehr viel Spaß gemacht zuzuschauen wie die jouteurs immer wieder in den Kanal fielen. Das ist in Sète wirklich ein riesen Event, das hätte ich gar nicht gedacht. Entlang des Kanals ist so viel los, so viele Leute sind gekommen und es gibt ganz viel Musik von den Fanfaren. Montag sind dann die Profis dran, was sogar im Fernsehen übertragen wird. Es war ein toller letzter Ausflug für Ute und mich! :)




der kleine Lord hat gesiegt ;)



Montag, 18. August 2014

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Hallo an alle da draußen in der großen, weiten Welt!

Ich sitze im Moment in unserem Wohnzimmer in der mittlerweilen leeren WG, mein Herz so schwer wie Blei. Ich habe den letzten Monat noch einmal so richtig genossen und tolle Sachen erlebt, was den baldigen Abschied von meinem Leben in Frankreich natürlich nicht gerade erleichtert. Dennoch möchte ich zuerst einmal erzählen, was ich hier so getrieben habe.

Cirque de Navacelles
Vor drei Wochen hatte ich das Glück, einen Teil meiner Familie bei mir begrüßen zu dürfen. Meine Eltern sind mit meinen beiden "kleinen" Brüdern zu Besuch da gewesen. Wir haben zusammen in den Cevennen gecampt und geniale Ausflüge gemacht. Ich habe ein zweites Mal den Pic Saint Loup bestiegen, war endlich mal im Lac du Salagou schwimmen, war bereits zum dritten Mal beim Cirque de Navacelles, wo ich eeeeendlich Klippensprigen machen konnte, ich stand unter einem Wasserfall und war am schönsten Strand Montpelliers. Ich habe die Tage mit meiner Familie genossen und war froh, dass es nach einem Jahr immer noch so ist wie früher. 


Cascade de la Vis
Aber schon vor drei Wochen musste ich anfangen Abschied zu nehmen. Lauriane, eine meiner Mitbewohnerinnen musste ich verabschieden. Sie war zwar schon seit fast zwei Monaten ausgezogen, ist aber extra für Ute und mich nochmal zurückgekommen. Wir hatten ein paar wunderschöne Tage zusammen und ich bin unendlich froh, dass ich Lauriane als Freundin gewonnen habe. 

Nach meinem Familienbesuch ging für Ute und mich ein riesen Traum und großes Abenteuer in Erfüllung. Wir fuhren nach Korsika. Und schon wieder musste ich Tschüss sagen, diesmal meiner anderen Mitbewohnerin Elda. Ich hatte ein wunderbares Jahr mit ihr zusammen, wir haben so viel gemeinsam erlebt und sie wird mir sehr fehlen. 

Elda et Lauriane, Markus et Noé, et Ute biensûr, je veux vous remercier pour cette année que nous avons vécu ensemble, pour tous les moments précieux. C'était juste magnifique avec vous et je me suis bien amusée avec vous tous. Vous êtes devenus mes amis et vous allez me manquer beaucoup. Mais on va se revoir, c'est promis. On se voit toujours deux fois dans la vie. Je vous aime.

Korsika. Es war unglaublich. Zwei Wochen habe ich ein Jugendcamp mit unserer groupe de jeunes dort verbracht. Es wird schwer all das, was ich während der 15 jours dort erlebt habe, aufzuschreiben. Zunächst waren wir auf einem Campingplatz 15 Minuten von Bastia entfernt, direkt am Meer gelegen. Wir haben Canyoning gemacht, haben Bastia besichtigt, waren fast jeden Tag im Meer schwimmen, waren in Corte, der einzigen Unistadt Korsikas, waren dort in einem traumhaften Fluss schwimmen, haben den Gemeindesaal in Bastia renoviert und einen Gottesdienst vorbereitet. Ich war hauptsächlich in die Animationen miteinbezogen, habe einen genialen Spieleabend und eine Strandolympiade mit Justine und Ute vorbereitet. 

Etang de Biguglia
Streichen des Gemeindesaals Bastia
Bastia
Das Beeindruckende an Korsikas Landschaft ist, dass die Berge sich direkt hinter dem Meer auftürmen. Auf der Seite Bastias, also der Ostküste, erinnerte mich die Landschaft sehr an Lateinamerika. Auch die Luftfeuchtigkeit schien mir ungewöhnlich hoch. Aber wir hatten jeden Tag wunderschönes Sommerwetter und das Meer war angenehm warm. 

Nach der Hälfte des Camps, nach einer Woche, brachen wir unsere Zelte ab (im wahrsten Sinne des Wortes) und machten uns auf nach Ajaccio. Hier hatten wir einen noch schöneren Campingplatz - ohne ätzenden Ameisen, die einem immer in die Hose krabbelten - auf einem Hügel gelegen mit Meerblick. Die Westküste ist eindeutig die schönere Seite Korsikas. Rote Felsen die ins türkisblaue Meer ragen. Die Calanche bei Porto sind traumhaft schön. Dort machten wir eine Wanderung während der wir kurzzeitig den Wanderweg aus den Augen verloren und eine kleine Kletterpartie in Kauf nehmen mussten, was aber ziemlich lustig war. Wir waren in Ajaccio und Porto. Wir haben ein paar ateliers créatifs gemacht, während der wir T-shirts gebatikt, Armbänder geknüpft und Jonglierbälle hergestellt haben. 

La lumière de Dieu - Aussicht von unserem Campingplatz
Sonnenaufgang in den Bergen
Les Calanche
der schönste Strand
Wir wollten eigentlich ein Foto zu viert machen, aber unsere Jugendlich hatten uns einfach zu lieb als dass sie uns allein auf's Foto gelassen hätten. :D
Es kamen immer mehr Jugendliche auf's Foto gestürmt, sodass letztendlich ein Gruppenfoto mit allen entstand. C'est le pied!
Der Sonnenuntergang.
Wunder der Natur.
Die Luft war diesig von den ganzen Wassertropfen, die der Wind von den Wellen aufwirbelte.
Wir haben insgesamt viel gesungen. In Bastia hatten wir das Glück, die Bekanntschaft mit einer deutschen protestantischen Gruppe zu machen. Daraus wurden dann zwei gemeinsame Musikabende, einer davon am Strand bei Wellenrauschen, unter klarem Sternenhimmel und mit Aussicht auf die funkelnden Lichter Bastias. 

Unser Thema des camps war "2017 - nos thèses pour l'Evangile" (siehe http://theses2017.fr/semaine34/). Das ist eine Art Minikalender, der verschiedene Glaubensfragen thematisiert. Sinn und Zweck ist es, dass bis 2017 neue Thesen der Protestanten entstehen, die den Glauben heute manifestieren. Wir haben mit den Jugendlichen also einige dieser Fragen bearbeitet und sich nicht immer zu echten Antworten gekommen. Dies ist aber oft einfach gar nicht möglich. Ein Beispiel: Wir haben die Frage gestellt, wieso es Unglück und Schlechtes in der Welt gibt, wenn Gott doch allmächtig ist. Auf diese Frage gibt es tausend Antworten und keine. Wir hatten allerdings tiefgehende Diskussionen und schöne Ergebnisse in Form von Gebeten, Liedtexten, kleinen Theaterstücken, die aus diesen Arbeiten hervorgegangen sind und bei unserem Gottesdienst in der Gemeinde Bastias vorgetragen wurden.

Ute und ich hatten das Glück einmal den Sonnenuntergang in La Liscia miterleben zu dürfen. Wir saßen da im Sand, vor uns das aufgewühlte Meer mit riesigen Wellen, die an den ins Wasser ragenden Felsen zerschlugen. Der Wind wehte uns die Gischt ins Gesicht. Und dann fiel die orangeleuchtende Sonne ins Meer. Es war ein Augenblick des unendlichen Glückes. Und dann pinkelte ein Hund Utes Tasche an...


...und dann fiel die Sonne ins Meer.

Ich habe diese zwei Wochen auf Korsika mit der groupe de jeunes so sehr genossen. Es waren zwei anstrengede Wochen, aber ich habe so vieles gesehen und erlebt. Die Jugendlichen habe ich noch fester in mein Herz geschlossen, als ich es eh' in diesem Jahr schon getan habe und ich hatte ein wundervolles Team an Animateuren, mit denen ich sehr viel Spaß hatte und deren Zusammenarbeit ich sehr schätze.

Aber die Zeit geht immer so schnell vorbei und schon war ich wieder zurück in Montpellier. Ich musste mich von all den wundervollen Menschen, die mich ein Jahr lang begleitet haben und sich in mein Herz geschlichen haben und Freunde geworden sind, verabschieden. Nach so tollen zwei Wochen war es natürlich schwerer denn je. Es liefen viele Tränen und es zerreißt mir das Herz diese unglaublichen Leute hier in Frankreich zu lassen und mich in einer Woche auf den Heimweg nach Deutschland zu machen. 

Justine, Gerd, Nivo, Fanny, Angélique, Ute, je suis tellement contente d'avoir vécu ce camp avec vous. J'ai beaucoup apprécié les moments partagés avec vous. Vous êtes une bonne équipe et je n'aurais pas pu imaginer une meilleure. Merci pour ce beau temps, merci pour tout!

Gerard, Ute, ich und Justine - unser eigentliches Foto zu viert ;)
Christine, dir möchte ich besonders danken. Tu étais toujours là pour Ute et moi pendant toute cette année. Tu a toujours eu de temps pour parler avec nous, de nous problèmes ou de nos vies. Tu nous a toujours aidé, soit avec une tente soit avec une voiture ou tes conseilles. C'est impossible de formuler par de mots jusqu'à quel point je te remercie. Tu es une personne impressionante, toujours souriante et de bonne humeur, très sportive et pleine de joie de vivre et d'énergie. Je te souhaite tout le bonheur du monde. Du bist toll! Bonne continuation et à bientôt. C'est qu'un au REVOIR. ;)

Et vous, les jeunes, vous êtes top! C'était génial avec vous et vous restez pour toujours dans mon coeur. ♥

Mir ist durchaus bewusst, dass ich mich nicht für immer und ewig von den Menschen hier verabschiede. Ein baldiger Besuch nächstes Jahr ist schon in Planung. Dennoch werde ich sie nur noch sehr selten sehen können. Ich bin kein Freund von Abschieden. Jetzt bleibt mir noch eine Woche, die ich hier in allen Zügen genießen möchte, mit Freunden und Festen. Und mit Ute. Bald bin ich wieder zurück in der Heimat und spätestens dann werdet ihr wieder von mir hören.

Liebe Grüße aus dem tollsten Land der Welt!