Freitag, 29. August 2014

Plötzlich wieder Deutschland

Hallo meine lieben Leser,

nun bin ich wieder zurück in Deutschland. Samstagabend bin ich mit Ute gelandet und habe mich direkt auf den Weg zum Rückkehrerseminar in Bonn gemacht. Schon die ersten Minuten auf deutschem Boden waren ziemlich merkwürdig. Zunächst überraschte mich das viele Grün, als wir über Deutschland zur Landung ansetzten. Am Flughafen redeten auf einmal alle Deutsch, was komisch zu hören war. Kleine Missgeschicke passierten mir aus Gewohnheit, wie z.B. dass ich über die Leute, die vor mir in der Warteschlange standen, sprach und mir im nächsten Moment, als sie sich zu mir umdrehten, klar wurde, dass ich hier nun verstanden werde, wenn ich Deutsch spreche. Ich war verwirrt, als ich wieder überlegen musste, in welchen Mülleimer ich meinen Müll werfen muss und dass ich meine Pfandflaschen nicht wegwerfen darf. Im Zug wollte ich immer die Leute auf Französisch ansprechen, das Deutsch ging mir richtig schwer von den Lippen. Wenn ich angerempelt wurde rutschte mir immer ein "Pardon!" heraus. Es sind so viele Dinge, an die man sich das Jahr über gewöhnt hat und die jetzt so anders sind.

Das Seminar war richtig schön. Es hat gut getan sich mit den anderen Freiwilligen über ihr Jahr und ihre Erlebnisse bei der Rückkehr zu unterhalten. Es war einfach so schön alle wiederzusehen. Mir hat das Seminar viel mitgegeben und mich auf meine Rückkehr nach Hause gut vorbereitet. Dennoch war ich ziemlich überwältigt von den vielen Eindrücken, als ich wieder in unserem Haus war. Eigentlich war alles so normal, aber mir fällt jede noch so geringe Veränderung auf. Ich fühle mich noch ziemlich fremd hier in Deutschland und muss erstmal akzeptieren und kapieren, dass ich nicht in wenigen Tagen wieder zurück nach Montpellier reisen werde. 

Das hier ist mein letzter Blogeintrag. Mein Jahr in Montpellier ist vorbei - es war génial! Ich danke euch, dass ihr so fleißig meinen Blog gelesen habt und mitverfolgt habt, was ich so ich Frankreich machte und erlebte. Ich rate euch auch so ein Jahr zu machen! Es war das beste meines bisherigen Lebens und ihr verpasst so viel, wenn ihr euch diesen Schritt nicht traut. 

Ganz liebe Grüße,

eure Lea


Samstag, 23. August 2014

Fêtes de la Saint Louis

Salut salut!

Ute und ich haben es uns trotz knapper Zeit hier in Montpellier nicht nehmen lassen zur Fête de la Saint Louis nach Sète zu fahren. Davon hatten wir schon letztes Jahr im Oktober das erste Mal etwas von gehört und wollten da so gerne hin und zum Glück fiel das Datum genau auf unsere letzte Woche hier in Frankreich. Also sind wir dort gestern hingefahren und haben uns das berühmte traditionelle Lanzenstechen ("joute") von den kleinen Jungs angeschaut. Es war richtig aufregend für Ute und mich und es hat sehr viel Spaß gemacht zuzuschauen wie die jouteurs immer wieder in den Kanal fielen. Das ist in Sète wirklich ein riesen Event, das hätte ich gar nicht gedacht. Entlang des Kanals ist so viel los, so viele Leute sind gekommen und es gibt ganz viel Musik von den Fanfaren. Montag sind dann die Profis dran, was sogar im Fernsehen übertragen wird. Es war ein toller letzter Ausflug für Ute und mich! :)




der kleine Lord hat gesiegt ;)



Montag, 18. August 2014

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Hallo an alle da draußen in der großen, weiten Welt!

Ich sitze im Moment in unserem Wohnzimmer in der mittlerweilen leeren WG, mein Herz so schwer wie Blei. Ich habe den letzten Monat noch einmal so richtig genossen und tolle Sachen erlebt, was den baldigen Abschied von meinem Leben in Frankreich natürlich nicht gerade erleichtert. Dennoch möchte ich zuerst einmal erzählen, was ich hier so getrieben habe.

Cirque de Navacelles
Vor drei Wochen hatte ich das Glück, einen Teil meiner Familie bei mir begrüßen zu dürfen. Meine Eltern sind mit meinen beiden "kleinen" Brüdern zu Besuch da gewesen. Wir haben zusammen in den Cevennen gecampt und geniale Ausflüge gemacht. Ich habe ein zweites Mal den Pic Saint Loup bestiegen, war endlich mal im Lac du Salagou schwimmen, war bereits zum dritten Mal beim Cirque de Navacelles, wo ich eeeeendlich Klippensprigen machen konnte, ich stand unter einem Wasserfall und war am schönsten Strand Montpelliers. Ich habe die Tage mit meiner Familie genossen und war froh, dass es nach einem Jahr immer noch so ist wie früher. 


Cascade de la Vis
Aber schon vor drei Wochen musste ich anfangen Abschied zu nehmen. Lauriane, eine meiner Mitbewohnerinnen musste ich verabschieden. Sie war zwar schon seit fast zwei Monaten ausgezogen, ist aber extra für Ute und mich nochmal zurückgekommen. Wir hatten ein paar wunderschöne Tage zusammen und ich bin unendlich froh, dass ich Lauriane als Freundin gewonnen habe. 

Nach meinem Familienbesuch ging für Ute und mich ein riesen Traum und großes Abenteuer in Erfüllung. Wir fuhren nach Korsika. Und schon wieder musste ich Tschüss sagen, diesmal meiner anderen Mitbewohnerin Elda. Ich hatte ein wunderbares Jahr mit ihr zusammen, wir haben so viel gemeinsam erlebt und sie wird mir sehr fehlen. 

Elda et Lauriane, Markus et Noé, et Ute biensûr, je veux vous remercier pour cette année que nous avons vécu ensemble, pour tous les moments précieux. C'était juste magnifique avec vous et je me suis bien amusée avec vous tous. Vous êtes devenus mes amis et vous allez me manquer beaucoup. Mais on va se revoir, c'est promis. On se voit toujours deux fois dans la vie. Je vous aime.

Korsika. Es war unglaublich. Zwei Wochen habe ich ein Jugendcamp mit unserer groupe de jeunes dort verbracht. Es wird schwer all das, was ich während der 15 jours dort erlebt habe, aufzuschreiben. Zunächst waren wir auf einem Campingplatz 15 Minuten von Bastia entfernt, direkt am Meer gelegen. Wir haben Canyoning gemacht, haben Bastia besichtigt, waren fast jeden Tag im Meer schwimmen, waren in Corte, der einzigen Unistadt Korsikas, waren dort in einem traumhaften Fluss schwimmen, haben den Gemeindesaal in Bastia renoviert und einen Gottesdienst vorbereitet. Ich war hauptsächlich in die Animationen miteinbezogen, habe einen genialen Spieleabend und eine Strandolympiade mit Justine und Ute vorbereitet. 

Etang de Biguglia
Streichen des Gemeindesaals Bastia
Bastia
Das Beeindruckende an Korsikas Landschaft ist, dass die Berge sich direkt hinter dem Meer auftürmen. Auf der Seite Bastias, also der Ostküste, erinnerte mich die Landschaft sehr an Lateinamerika. Auch die Luftfeuchtigkeit schien mir ungewöhnlich hoch. Aber wir hatten jeden Tag wunderschönes Sommerwetter und das Meer war angenehm warm. 

Nach der Hälfte des Camps, nach einer Woche, brachen wir unsere Zelte ab (im wahrsten Sinne des Wortes) und machten uns auf nach Ajaccio. Hier hatten wir einen noch schöneren Campingplatz - ohne ätzenden Ameisen, die einem immer in die Hose krabbelten - auf einem Hügel gelegen mit Meerblick. Die Westküste ist eindeutig die schönere Seite Korsikas. Rote Felsen die ins türkisblaue Meer ragen. Die Calanche bei Porto sind traumhaft schön. Dort machten wir eine Wanderung während der wir kurzzeitig den Wanderweg aus den Augen verloren und eine kleine Kletterpartie in Kauf nehmen mussten, was aber ziemlich lustig war. Wir waren in Ajaccio und Porto. Wir haben ein paar ateliers créatifs gemacht, während der wir T-shirts gebatikt, Armbänder geknüpft und Jonglierbälle hergestellt haben. 

La lumière de Dieu - Aussicht von unserem Campingplatz
Sonnenaufgang in den Bergen
Les Calanche
der schönste Strand
Wir wollten eigentlich ein Foto zu viert machen, aber unsere Jugendlich hatten uns einfach zu lieb als dass sie uns allein auf's Foto gelassen hätten. :D
Es kamen immer mehr Jugendliche auf's Foto gestürmt, sodass letztendlich ein Gruppenfoto mit allen entstand. C'est le pied!
Der Sonnenuntergang.
Wunder der Natur.
Die Luft war diesig von den ganzen Wassertropfen, die der Wind von den Wellen aufwirbelte.
Wir haben insgesamt viel gesungen. In Bastia hatten wir das Glück, die Bekanntschaft mit einer deutschen protestantischen Gruppe zu machen. Daraus wurden dann zwei gemeinsame Musikabende, einer davon am Strand bei Wellenrauschen, unter klarem Sternenhimmel und mit Aussicht auf die funkelnden Lichter Bastias. 

Unser Thema des camps war "2017 - nos thèses pour l'Evangile" (siehe http://theses2017.fr/semaine34/). Das ist eine Art Minikalender, der verschiedene Glaubensfragen thematisiert. Sinn und Zweck ist es, dass bis 2017 neue Thesen der Protestanten entstehen, die den Glauben heute manifestieren. Wir haben mit den Jugendlichen also einige dieser Fragen bearbeitet und sich nicht immer zu echten Antworten gekommen. Dies ist aber oft einfach gar nicht möglich. Ein Beispiel: Wir haben die Frage gestellt, wieso es Unglück und Schlechtes in der Welt gibt, wenn Gott doch allmächtig ist. Auf diese Frage gibt es tausend Antworten und keine. Wir hatten allerdings tiefgehende Diskussionen und schöne Ergebnisse in Form von Gebeten, Liedtexten, kleinen Theaterstücken, die aus diesen Arbeiten hervorgegangen sind und bei unserem Gottesdienst in der Gemeinde Bastias vorgetragen wurden.

Ute und ich hatten das Glück einmal den Sonnenuntergang in La Liscia miterleben zu dürfen. Wir saßen da im Sand, vor uns das aufgewühlte Meer mit riesigen Wellen, die an den ins Wasser ragenden Felsen zerschlugen. Der Wind wehte uns die Gischt ins Gesicht. Und dann fiel die orangeleuchtende Sonne ins Meer. Es war ein Augenblick des unendlichen Glückes. Und dann pinkelte ein Hund Utes Tasche an...


...und dann fiel die Sonne ins Meer.

Ich habe diese zwei Wochen auf Korsika mit der groupe de jeunes so sehr genossen. Es waren zwei anstrengede Wochen, aber ich habe so vieles gesehen und erlebt. Die Jugendlichen habe ich noch fester in mein Herz geschlossen, als ich es eh' in diesem Jahr schon getan habe und ich hatte ein wundervolles Team an Animateuren, mit denen ich sehr viel Spaß hatte und deren Zusammenarbeit ich sehr schätze.

Aber die Zeit geht immer so schnell vorbei und schon war ich wieder zurück in Montpellier. Ich musste mich von all den wundervollen Menschen, die mich ein Jahr lang begleitet haben und sich in mein Herz geschlichen haben und Freunde geworden sind, verabschieden. Nach so tollen zwei Wochen war es natürlich schwerer denn je. Es liefen viele Tränen und es zerreißt mir das Herz diese unglaublichen Leute hier in Frankreich zu lassen und mich in einer Woche auf den Heimweg nach Deutschland zu machen. 

Justine, Gerd, Nivo, Fanny, Angélique, Ute, je suis tellement contente d'avoir vécu ce camp avec vous. J'ai beaucoup apprécié les moments partagés avec vous. Vous êtes une bonne équipe et je n'aurais pas pu imaginer une meilleure. Merci pour ce beau temps, merci pour tout!

Gerard, Ute, ich und Justine - unser eigentliches Foto zu viert ;)
Christine, dir möchte ich besonders danken. Tu étais toujours là pour Ute et moi pendant toute cette année. Tu a toujours eu de temps pour parler avec nous, de nous problèmes ou de nos vies. Tu nous a toujours aidé, soit avec une tente soit avec une voiture ou tes conseilles. C'est impossible de formuler par de mots jusqu'à quel point je te remercie. Tu es une personne impressionante, toujours souriante et de bonne humeur, très sportive et pleine de joie de vivre et d'énergie. Je te souhaite tout le bonheur du monde. Du bist toll! Bonne continuation et à bientôt. C'est qu'un au REVOIR. ;)

Et vous, les jeunes, vous êtes top! C'était génial avec vous et vous restez pour toujours dans mon coeur. ♥

Mir ist durchaus bewusst, dass ich mich nicht für immer und ewig von den Menschen hier verabschiede. Ein baldiger Besuch nächstes Jahr ist schon in Planung. Dennoch werde ich sie nur noch sehr selten sehen können. Ich bin kein Freund von Abschieden. Jetzt bleibt mir noch eine Woche, die ich hier in allen Zügen genießen möchte, mit Freunden und Festen. Und mit Ute. Bald bin ich wieder zurück in der Heimat und spätestens dann werdet ihr wieder von mir hören.

Liebe Grüße aus dem tollsten Land der Welt!


Montag, 21. Juli 2014

Auf in den wilden Süden!

Ute und ich haben relativ spontan ein paar Tage in der Ardèche gecampt. Diesmal ganz legal auf einem Campingplatz, der wunderschön war. Mit Palmen, Freibad und 5 Minuten zu Fuß vom Fluss entfernt. Erst dachten wir, das würde ein ganz entspannter Chillurlaub werden, denn den ersten Tag verbrachten wir ausschließlich im kühlen Nass. Im Fluss zu schwimmen ist gar nicht so einfach gewesen, denn die Strömung war ziemlich stark und der Boden steinig. Das eine Flussufer ist flach mit kleinen Sandstrandpartien, das andere Ufer von Klippen und Felswänden geprägt. 

Eddie war natürlich mit am Fluss
Unser Zeltplatz

Am zweiten Tag wanderten wir zur Pont d'Arc. Das ist die absolute Touriattracktion, aber es ist auch einfach wunderschön dort. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was das ist, aber das seht ihr auf den Fotos. Dort haben wir Klippenspringen gemacht und sind in eine dunkle, ziemlich gruselige Höhle im Wasser geschwommen. Es war faszinierend! Auf dem Rückweg haben wir sogar ein wildes Wildschwein gesehen, also einfach in freier Wildbahn. Denn wirklich wild war es nicht.

Das "wilde" Wildschwein
Pont d'Arc
Höhle 1
Höhle 2 von außen - die Gruselige
Höhle 2 von innen - noch gruseliger

Auch eine Kanutour auf der dafür berühmten Ardèche haben wir nicht ausgelassen. Es war großartig! So viele Stromschnellen und Walzen. Es war nicht leicht, nicht gegen die Felsen zu fahren, aber wir haben es ganz gut hinbekommen. Das Tolle ist, dass man mit dem Boot einfach an Orte kommt, an die man sonst nicht kommen würde. Sogar eine Kanurutsche war dabei, da sind wir richtig nass geworden. 

in action
auch Eddie war natürlich wieder mit von der Partie
da hinten um die Ecke war die schwierigste Stelle
Vogüé - village de caractère
Sonnenuntergang an der Ardèche mit kleinen Fischen, die unsere Füße angeknabbert haben

Tja, aus unserem gemütlichen Urlaub ist dann doch ein Abenteuerurlaub geworden. Es war genial und ich hatte so viel Spaß! Ich mache so viele Sachen zum ersten Mal dieses Jahr. Das ist echt cool. :)


Dienstag, 15. Juli 2014

Bonne fête nationale de France 2014!

Gestern war der französische Nationalfeiertag. Tja, eigentlich sollten Ute und ich den gar nicht miterleben, da wir normalerweise gerade in Israel in der Sonne schwitzen würden. Die Raketen dort haben uns aber einen Strich durch unsere schöne Reiseplanung gemacht. Kurzfristig haben wir auf Empfehlung der Freiwilligen in Israel, die wir eigentlich besuchen wollten, unsere Reise abgesagt. Sehr schade, weil wir uns schon so lange darauf gefreut haben, aber was will man machen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir unsere Tour trotzdem noch machen. 

Wie dem auch sei, wir haben so jedenfalls die Möglichkeit gehabt mit den Franzosen ihren Nationalfeiertag zu feiern. Tagsüber haben wir davon aber eigentlich nichts mitbekommen, denn das Wetter war so wunderschön, dass wir den ganzen Tag am Strand gefaulenzt haben. Sogesehen haben wir schon was vom Feiertag mitbekommen, denn da alle Franzosen frei hatten, war der Strand total überfüllt.





Abends wurde dann ein riesiges und so beeindruckendes Feuerwerk veranstaltet. Das war unglaublich schön! Ich hatte das Gefühl, dass ganz Montpellier dafür in dem kleinen Park versammelt war. Als es nach einer halben Stunde wieder vorbei war, waren die Straßen Montpelliers einfach nur mit Menschen überfüllt, die überall waren, sodass Autos sich kaum noch einen Weg durch die Menschenmassen bahnen konnten. 

Letzte Woche hatte ich Besuch von meiner Schwester und einer Freundin. Wie schön es doch immer ist Besuch zu bekommen. 

Eislaufen im Sommer :)

mein Lieblingsort in Montpellier

Donnerstag, 3. Juli 2014

Abenteuer: España

¡Hola!

Nun melde ich mich mal wieder, um euch von meinem Spanientrip zu erzählen. Das war ein echtes Abenteuer für Ute und mich. Wir hatten uns (relativ spontan) vorgenommen, einen Teil des Jakobswegs zu laufen. Natürlich in Spanien, damit Ute mal nach Spanien kommt und weil es auch irgendwie authentischer ist den Jakobsweg in Spanien zu laufen. Aus Geldgründen sind wir allerdings nur bis knapp hinter die französische Grenze gefahren und haben einen relativ neuen Nebenweg des Pilgerwegs genommen. Gestartet haben wir in Figueres mit unseren 10 kg schweren Rucksäcken, mit Zelt und Isomatten. Vier Tagen Wandern lagen vor uns, bevor wir unser Ziel Girona erreichen sollten.

Tag 1
Gemütlich machten wir uns also in Figueres auf den Weg. Der Himmel war noch leicht bedeckt, aber warm war es trotzdem schon. Als wir endlich aus der Stadt raus waren, wurde der Weg gleich viel schöner. Er führte über Felder, durch Olivenbaumplantagen und ein Stück durch den Wald. Die meiste Zeit hatten wir einen tollen Ausblick auf die Berge der Pyrenäen. Da wir keine Wanderkarte hatten, waren wir auf die Beschilderung des Weges angewiesen. Diese leitete uns aber super an unser Ziel. Ein einem kleine Dörfchen verloren wir allerdings einmal die Spur, weil es einfach gar keine Schilder oder Markierungen mehr gab. Auf unserer Suche den Weg wiederzufinden, fanden wir einen Brunnen, an dem wir unsere ausgeschöpften Wasserreserven wieder auffüllen konnten und einen Nèflebaum fanden. Wie ich gerade erst herrausfinde, heißen Nèfle auf Deutsch "Mispel". Dieses Obst ist nicht so bekannt in Deutschland. Ich kannte es vorher nur unter dem Namen "Nespole". Aber die Früchte schmecken super lecker und wachsen hier wie Sand am Meer. Am Ende unserer ersten Etappe führte der Weg dann allerdings über eine große Landstraße, wo es nichtmal einen Wanderweg gab. Zum Glück hatte uns ein netter Spanier vorher einen Alternativweg erklärt, für den wir uns freudig entschieden. Das war ein Glückstreffer, denn so entdeckten wir einen Fluss in der Nähe von Bàscara, an dem wir die perfekte Stelle zum Zelten fanden. Wildcampen ist zwar nicht erlaubt in Spanien, aber deutlich günstiger als ein Campingplatz. Naja, ganz so perfekt war der Platz dort doch nicht, denn auf einem sehr steinigen Boden ist es richtig schwierig, ein Zelt mit Heringen im Boden zu befestigen. Unser Abendessen, dass wir auf unserem Gaskocher kochten und eine anschließende Dusche im Fluss machte das aber wieder wett. Es war schon richtig idyllisch.

erste Etappe - Ausblick auf die Berge

das Dorf, in dem wir die Spur verloren

unser super toller Zeltplatz


Tag 2
Nach einem gemütlichen Frühstück am Flussufer machten wir uns wieder auf den Weg. Der nächste Ort war Bàscara. Hier kamen wir an einem kleinen Feld vorbei, auf dem uns die Salatköpfe nur so anlachten. Kurzerhand haben wir uns einen gemopst. Im Dorf deckten wir uns wieder mit dem Nötigsten ein und weiter ging's. Diese Etappe war die Schönste unserer gesamten Wanderung. Wir liefen durch einen Kiefernwald und durch Felder. Die Sonne schien, es war heiß, aber es wehte ein angenehmer Wind. Die Aussicht war super! Nach unserem Mittagslager zog sich der Himmel allerdings zu. Es roch nach Regen. Schnell machten wir uns also wieder auf den Weg, um vor dem Gewitter im nächsten Dorf anzukommen. Da hatten wir richtig Glück, denn als es gerade zu regnen begann, fanden wir eine Scheune, in die wir uns flüchteten. Hier harrten wir das Gewitter aus und kuschelten uns in einen Heuhaufen. Irgendwie hatten wir uns nicht den besten Zeitpunkt für unsere Wanderung ausgesucht. Mutig liefen wir nach dem Regen weiter. Ein Mann warnte uns noch vor dem schlechten Wetter. Wir wanderten über Feldwege, auf denen wir klitschnasse Füße bekamen, weil das Gras so nass war. Wir durchquerten einen Wald, in dem wir noch nassere Füße bekamen, weil der komplette Waldweg unter Wasser stand und uns teilweise ein richtiger Bach den Weg versperrte. Wir liefen über eine kleine Straße, überlegten uns gerade noch, ob wir unsere Route für heute etwas ändern sollten (es grummelte in einiger Entfernung), da hielt ein Auto mit einem alten Opi drin an. Er bot uns an uns mit ins nächste Dorf zu nehmen. In weiser Vorrassicht nahmen wir sein Angebot an. Kaum saßen wir im Auto, fing es an zu schütten. Im nächsten Ort wollten wir uns eigentlich ein Hostel oder sonstwas zum Schlafen suchen; zelten war gerade bei dem Unwetter etwas unpraktisch. Es stellte sich aber leider heraus, dass es keine einzige Schlafmöglichkeit hier gab. Was blieb uns also übrig, als uns an die Straße zu stellen und unseren Daumen rauszuhalten. Danach hatten wir nicht mehr nur nasse Füße, sondern waren komplett durchnässt. Eine nette Spanierin nahm uns mit nach Medinyà, wo wir uns zwangsläufig ein Hotelzimmer nahmen. Das nutzten wir, um eine warme Dusche zu nehmen und einen heißen Cappuccino zu trinken. Unser Abendessen bereiteten wir allerdings wieder auf dem Balkon auf unserem Gaskocher zu.

auf dem schönsten Streckenabschnitt

das Dorf unserer Rettung - Unterschlupf vor dem Gewitter

selbst die Sonnenblumen lassen ihre Köpfe nach dem Regen hängen


Tag 3
Ute war an diesem Tag sehr gut gelaunt und unterhielt mich mit "schönen" Liedern auf dem Weg. Nachdem der Weg ganz gut anfing und der meiste Teil durch einen Wald entlang eines Flusses führte, wurden wir nachher sehr enttäuscht. Ein weiteres Mal mussten wir über eine noch größere und sehr viel befahrene Landstraße laufen. Hier gab es nichtmal einen Seitenstreifen. Wir mussten eine Brücke überqueren und uns hinter der Leitplanke auf einem etwa 20 cm breiten Stück Straße entlanghangeln. Das war echt nicht mehr witzig und ganz schön gefährlich. Kurz darauf kamen wir in Sarrià de Ter an und landeten auf einem spanischen Markt. Das besserte unsere Laune stark auf. Allerdings braute sich nach unsere Mittagspause schon wieder etwas über uns zusammen. Als es kurz anfing zu regnen suchten wir auf der Terasse eines leerstehenden Hauses Unterschlupf. Nach dem kurzen Schauer wollten wir unsere Wanderung aber endlich fortsetzten. Es macht keine Spaß, wenn man immer den Regen abwarten muss. Man sucht ständig die Umgebung nach Unterschlüpfen ab. Nicht nur das haben wir durchgehend gesucht. Unsere Augen haben sich auf gelbe Jakobswegmarkierungen, blaue Wanderschilder, Obstbäume und Wasserquellen spezialisiert. Nach nur weniger Zeit erreichten wir überraschenderweise bereits unser Ziel Girona! Es war erst mittags, also beschlossen wir die Zeit zu nutzen, um einen geeigneten Zeltplatz zu finden. In Stadtnähe finde ich das gar nicht so einfach. Wir fanden aber schnell einen Park, in dem nicht viel los war, und die perfekte Stelle. Hinter Bäumen versteckt konnte uns eigentlich niemand sehen. Trotzdem bauten wir unser Zelt erst bei Dämmerung auf - wir wollten nichts riskieren. 

Eidechse!

Mittagspause in Sarrià de Ter mit unseren neuen Hosen ;)

zweiter perfekter Zeltplatz


Tag 4
Unseren letzten Tag wollten wir gemütlich angehen lassen. Wir ließen uns viel Zeit beim Frühstücken und bei der Morgentoilette und nahmen uns dann die Stadt vor. Sie ist so wunderschön! Das Erste, was man sieht, wenn man in die Altstadt gehen will, ist der Fluss Ter, der von einer kunterbunten Häuserfassade gesäumt ist. Die bunten Häuser sind wirklich typisch spanisch. Aber auch die Altstadt hat mich sehr fasziniert. Die vielen kleinen Gassen und Treppen, der Park mit Ruinen und Stadtmauer - die Stadt hat wirklich Charme. Nach einem Tag Herumlaufen waren wir allerdings nur noch müde. Im Enteffekt waren es ja auch vier Tage nur Herumlaufen. Und das mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Was waren wir froh, als wir abends endlich im Auto saßen und uns unser Blablacar-Fahrer bis nach Hause brachte. 

das Wahrzeichen Gironas

eine der typischen Gässchen und Treppen

mein Lieblingsfoto :)

ich auf der alten Stadtmauer



Für mich waren diese vier Tage wirklich ein Abenteuer. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht. Es ist echt eine Erfahrung, wenn man von so vielen äußeren Einflüssen abhängig ist: vom Wetter, von Wasserquellen, von Plätzen, wo man gut wildcampen kann etc. Auch der Fakt, dass wir keine Wanderkarte hatten und ausschließlich auf die Beschilderung angewiesen waren, war nicht zu unterschätzen. Im Prinzip hatten wir keine Ahnung von nichts und konnten uns noch nichmal wirklich in dem Land verständigen. Und dann haben wir auch noch so "illigeale" Sachen gemacht, wie Wildcampen. Ich finde es schade, dass es in so vielen Ländern verboten ist (auch wenn ich das teilweise verstehen kann), aber bin ich dann doch neidisch, wenn mir eine Freundin in Finnland erzählt, dass das bei denen erlaubt ist. Wir haben unser "Haus" sozusagen die ganze Zeit auf unserem Rücken getragen, was auch sehr schmerzhaft war auf Dauer. Ich würde euch diesen Teil des Jakobswegs keinesfalls empfehlen, auch wenn wir schönen Streckenteile hatten. Ich denke, dass man doch eher einen der Hauptwege einschlagen sollte, um wirklich einen guten Wanderweg zu haben. Mir hat unser kleines Abenteuer aber sehr viel Spaß gemacht! Und es war tatsächlich, trotz der schweren Last, sehr erholsam. 

¡Hasta la vuelta amigos!