Jetzt ist es auch schon wieder eine Woche her, dass ich das letzte Mal etwas berichtet habe. Die letzten Tage waren zeitlich ziemlich voll und ereignisreich. Aber jetzt nehme ich mir einfach mal die Zeit am Morgen, um euch wieder auf den neusten Stand zu bringen.
Zunächst zur Arbeit. Die vergangene Woche ging es genau so weiter, wie zuvor. Im Babel Café, wo wir jetzt das zweite Mal waren, konnten wir diesmal schon viel mehr mitarbeiten als beim letzten Mal, denn wir wussten ja schon was so zu tun ist. Wir haben also wieder beim Sandwiches schmieren sowie bei der Essensausgabe geholfen und haben uns teilweise unter die Obdachlosen gemischt und uns mit ihnen unterhalten. Viele von denen sprechen oft gar kein gutes Französisch und so unterhält man sich dann auf Englisch oder Spanisch oder sogar Deutsch. Ute und ich scheinen bei den Menschen dort ziemlich gut anzukommen, denn wir wurden am Ende von zwei Obdachlosen gefragt, wann wir denn das nächste Mal wiederkommen würden.
Dann hatten wir natürlich wieder KT und Groupe de jeunes. Letztere war ein ziemlich merkwürdiger Abend, denn wir haben uns einen ziemlich verrückten französischen Film angeschaut ("Enfermé dehors"), über den die Jugendlichen anschließend eine Diskussion zum Thema Solidarität geführt haben. Ich persönlich fand den Film sowas von schräg und konnte da ziemlich wenig herausziehen, was mit Solidarität zu tun hat - vielleicht auch, weil ich ihn einfach nicht verstanden habe, was nicht nur an der Sprache lag. Jedenfalls war ich ziemlich überrascht, dass die Jugendlichen tatsächlich richtig darüber diskutiert haben und wirklich interessante Dinge gesagt haben.
Gestern war wieder unser vollster Tag. Wir waren erst wieder bei der Culte-pause, dann bei der Hausaufgabenbetreuung und abends noch bei der Groupe étudiant. Die Betreuung macht mir immer super viel Spaß, weil ich dem Mädchen, für das ich zugeteilt bin, noch ziemlich viel beibringen kann. Das ist natürlich nicht immer einfach und führt bei uns beiden manchmal zu kleinen Diskussionen, wenn wir uns nicht einig sind, wie man eine Subtraktionsaufgabe schriftlich rechnet. Da gibt es nämlich bei ganz vielen Rechenarten Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich. Aber auch ich lerne von ihr noch jede Menge, vor allem neue Vokabeln.
| Claquette |
Ansonsten bin ich weiterhin auf Hobbysuche. Ich habe mir am Dienstag noch eine weitere Handballmannschaft angeschaut, bei der ich jetzt erstmal ein paar Mal mittrainieren werde. Dann waren Ute und ich am Sonntag wieder beim Eishockey, was diesmal noch viiiiiiel cooler war als letztes Mal! Es war ein anderer Trainer da, der richtig gute Übungen mit uns gemacht hat und man hat bei dem einen Training schon extrem viel gelernt. Am Ende gab es wieder ein Spiel - diesmal allerdings nur unter uns Anfängern. Das war auch gut so, denn so haben wir uns alle getraut "härter" ran zu gehen und auch mal wirklich um den Puck zu kämpfen. Das ein oder andere Mal haben wir uns dann auch auf unseren Hosenboden gesetzt (zit. Ute "Ich habe mich weniger auf meinen Hosenboden gesetzt, sondern in einer meiner seltsamen Bremskurven, weil ich nicht bremsen kann, mich spektakulär auf die Fresse gelegt"). Was aber auch richtig toll war, war die Probestunde Stepptanz, die wir letzte Woche Samstag gemacht haben. Ihr könnt mir glauben, es ist schwieriger als es aussieht und man muss sich ganz schön konzentrieren. Aber Ute und ich haben das schon ziemlich gut hinbekommen und es hat unheimlich Spaß gemacht! Das Gute war, dass wir an dem Tag in einer Gruppe waren, die nur aus zwei weiteren Frauen bestanden. So konnte man schon sehr viel an einem einzigen Tag lernen.
Aber der Hauptgrund, wieso ich weniger Zeit in den letzten Tagen hatte oder sie nicht zum Blogschreiben opfern will ist, dass mein großer Bruder Nils am Samstag zu uns zu Besuch gekommen ist. Ihm muss ich natürlich erstmal alle Vorzüge Montpelliers zeigen. Deshalb haben Ute und ich schon eine kleine Stadtführung für ihn gemacht, wobei wir Nils all unsere Lieblingsplätze gezeigt haben und ein Abstecher zum Strand darf natürlich auch nicht fehlen! Das ist wirklich unglaublich! Es ist schon Oktober, der Herbst kommt langsam und man kann immer noch im Meer schwimmen gehen und am Strand in der Sonne faulenzen. Das ist so genial! Aber das Highlight der letzten Tage war eindeutig Nils und mein Motorradausflug zum Lac du Salagou. Ja, das ist natürlich so nur möglich, weil mein Bruder mit dem Motorrad zu uns runter gefahren ist. Es macht so viel Spaß hier in Frankreich mit dem Motorrad durch die Gegend zu fahren und der Stausee ist einfach wunderschön! Aber das kann man schwer beschreiben, seht lieber selbst auf den Fotos. Das Wasser des Sees ist tatsächlich viel wärmer als das Mittelmeer und super klar. Dort haben wir dann auch eine kleine Wanderung mit kurzen Kletterpartien auf die "Sure" gemacht, weil nämlich kein Wanderweg existierte. ...wer auch immer mal im Montpellier und Umgebung sein sollte, der sollte auf jeden Fall einen Abstecher zum Lac du Salagou machen - es lohnt sich. Ansonsten schleppe ich Nils manchmal mit zur Arbeit, wie zum Beispiel zur Groupe étudiant gestern, damit er sieht, was ich hier so mache. Heute bekommen wir eine kleine Privatführung im Musée Fabre von einer Frau aus der Kirche, die guide ist und mir das gestern angeboten hat. Darauf bin ich ganz schön gespannt!
| La Sure |
Es sah manchmal am See wirklich so aus als wären wir gar nicht in Frankreich, sondern vielmehr in Australien. Die Farbe des roten Sedimentgesteins erinnert eher an den Uluru.
Die roten feinkörnigen Sedimente lagerten sich im Perm als Erosionsschutt aus den varistischen Gebirgen der Montagne Noire und des Massif Central in einem Vorlandbecken ab. Die rote Farbe lässt darauf schließen, dass die Sedimente kontinental abgelagert wurden und dass aride Bedingungen herrschten. In den Sedimenten finden sich Rippelmarken, Regentropfenabdrücke und Trockenrisse. Südlich des Sees sind Schichten des Juras, der Trias und der Kreide in der Montagne de Liausson aufgeschlossen. Diese bildeten sich, nachdem die Beckensubsidenz im Perm zum Erliegen kam, in einem flachen Meer. Im Tertiär und Quartär fand, angeregt durch die alpine Orogenese (Heraushebung der Pyrenäen), aktiver Vulkanismus statt. Im Zuge dessen bildeten sich im Bereich des Stausees mehrere Basaltintrusionen, die heutzutage als markante Kuppen, wie zum Beispiel die "Sure", zu erkennen sind, da die Vulkanite erosionsbeständiger als die weichen Permsedimente sind. Der Geowissenschaftler sprach.
Die roten feinkörnigen Sedimente lagerten sich im Perm als Erosionsschutt aus den varistischen Gebirgen der Montagne Noire und des Massif Central in einem Vorlandbecken ab. Die rote Farbe lässt darauf schließen, dass die Sedimente kontinental abgelagert wurden und dass aride Bedingungen herrschten. In den Sedimenten finden sich Rippelmarken, Regentropfenabdrücke und Trockenrisse. Südlich des Sees sind Schichten des Juras, der Trias und der Kreide in der Montagne de Liausson aufgeschlossen. Diese bildeten sich, nachdem die Beckensubsidenz im Perm zum Erliegen kam, in einem flachen Meer. Im Tertiär und Quartär fand, angeregt durch die alpine Orogenese (Heraushebung der Pyrenäen), aktiver Vulkanismus statt. Im Zuge dessen bildeten sich im Bereich des Stausees mehrere Basaltintrusionen, die heutzutage als markante Kuppen, wie zum Beispiel die "Sure", zu erkennen sind, da die Vulkanite erosionsbeständiger als die weichen Permsedimente sind. Der Geowissenschaftler sprach.
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