Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Joghurtdieb

Am Sonntag war ich das erste Mal im neuen Jahr im Babel Café. Ich habe wieder bei der Ausgabe des Frühstücks geholfen, d.h. ich habe den Joghurt und das Obst verteilt. Dabei habe ich mich mit so vielen Menschen unterhalten. Außer einem Engländer, der jahrelang in Schwaben gewohnt hat, habe ich auch zwei Männer getroffen, die sogar auch ein wenig Deutsch mit mir gesprochen haben. Einer der beiden hatte nämlich mal vier Jahre lang Deutsch in der Schule.

Ein Mann aus Slovenien war Sonntag auch zum ersten Mal da. Er konnte nur Englisch sprechen und hatte sich deshalb nicht getraut einen Kaffee zu bestellen, weil die meisten französischen Mitarbeiter des Cafés nur Französisch sprechen. Total süß!

Ein anderer Mann hat mir sein ganzes Leben erzählt. Sein Vater kommt aus Spanien, seine Mama ist "pied-noir" (Algerienfranzösin). Er selbst ist Franzose, hat aber in Spanien öffentliches Recht studiert und spricht daher auch fließend Spanisch und gut Englisch. Es war richtig interessant, was er erzählt hat und ich habe mich gefragt, wieso jemand wie er auf der Straße lebt. Allerdings habe ich mich nicht getraut nachzufragen, weil ich keine Ahnung habe, wie die Obdachlosen darauf reagieren würden. Ist es für sie ganz normal, sowas zu erzählen, weil sie schon so lange obdachlos sind oder es vielleicht sogar freiwillig sind? Wären sie gekränkt? Ich denke, ich muss mich einfach meiner Neugierde hingeben und die Frage stellen.

Otto habe ich auch wieder getroffen. Diesen Mann nenne ich so, weil er eine unglaubliche Ähnlichkeit zu Otto Walkes aufweist. Er wollte abends mit mir ausgehen. Aber das kann man natürlich nicht ernst nehmen (ist auch besser so!), doch er hat es geschafft mich richtig zum Lachen zu bringen. Er hat mir dann auch noch eine Blume aus der Vase, die vor mir auf der Theke stand, geschenkt.

Jemand, der auch jede Woche zum Babel Café kommt, wollte mir seinen Schal schenken, weil er den zweimal hat. Ist ja lieb gemeint, aber er braucht ihn dringender als ich. Es war gar nicht so einfach aus der Sache raus zu kommen, aber ich glaube, ich habe es ganz elegant gelöst.

Und dann war da noch ein Mann, der immer den Joghurt von der Theke stibizt hat, wenn man gerade mal nicht geschaut hat. Ich glaube, dass er letztendlich um die 10 Stück hatte, statt der zwei, die jeder normalerweise bekommen hat. 

Anstrengend sind eigentlich nur die Roma, denn die sind meistens ziemlich unfreundlich und wollen am liebsten alles haben. Eine Frau, die mit ihren Kindern kommt, fragte mich Sonntag zum Beispiel nach einem Trinkjoghurt. Ich sagte ihr, dass ich leider keine mehr habe, aber als Antwort kam nur ein "Doch, gib mir so einen Joghurt!" Sie wollte es einfach nicht verstehen, dass ich keine mehr hatte. Und die Kinder sind meistens genauso dreist und füllen sich ihren Teller so voll, dass sie das gar nicht alles essen können. 

Obwohl es Hunde und Katzen geregnet hat am Sonntagmorgen, sind richtig viele Leute ins Babel Café gekommen. Mit 160 Personen war das der Rekord, denn normalerweise kommen so zwischen 100 und 120 Menschen vorbei.

Es war so ein wundervoller Vormittag im Babel Café und ich habe so viel gelacht! Die Arbeit dort macht mir immer besonders viel Spaß. Auch wenn ich morgens immer Schwierigkeiten habe um 7 Uhr aufzustehen - es lohnt sich jedes Mal! Letzten Sonntag hat eine andere ehrenamtliche Mitarbeiterin erzählt, dass sie sich immer sehr darüber freut, dass die Menschen, die ins Café kommen, sich bei ihr bedanken. "Ein Danke und ich habe die ganze Woche gute Laune." Aber ich finde, es ist nicht nur das Danke, es sind die vielen unterschiedlichen Menschen, die man dort kennenlernt, die Unterhaltungen mit ihnen und die Witze, die sie erzählen. Die bunte Mischung von Leuten ist unglaublich spannend!





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