¡Hola!
Nun melde ich mich mal wieder, um euch von meinem Spanientrip zu erzählen. Das war ein echtes Abenteuer für Ute und mich. Wir hatten uns (relativ spontan) vorgenommen, einen Teil des Jakobswegs zu laufen. Natürlich in Spanien, damit Ute mal nach Spanien kommt und weil es auch irgendwie authentischer ist den Jakobsweg in Spanien zu laufen. Aus Geldgründen sind wir allerdings nur bis knapp hinter die französische Grenze gefahren und haben einen relativ neuen Nebenweg des Pilgerwegs genommen. Gestartet haben wir in Figueres mit unseren 10 kg schweren Rucksäcken, mit Zelt und Isomatten. Vier Tagen Wandern lagen vor uns, bevor wir unser Ziel Girona erreichen sollten.
Tag 1
Gemütlich machten wir uns also in Figueres auf den Weg. Der Himmel war noch leicht bedeckt, aber warm war es trotzdem schon. Als wir endlich aus der Stadt raus waren, wurde der Weg gleich viel schöner. Er führte über Felder, durch Olivenbaumplantagen und ein Stück durch den Wald. Die meiste Zeit hatten wir einen tollen Ausblick auf die Berge der Pyrenäen. Da wir keine Wanderkarte hatten, waren wir auf die Beschilderung des Weges angewiesen. Diese leitete uns aber super an unser Ziel. Ein einem kleine Dörfchen verloren wir allerdings einmal die Spur, weil es einfach gar keine Schilder oder Markierungen mehr gab. Auf unserer Suche den Weg wiederzufinden, fanden wir einen Brunnen, an dem wir unsere ausgeschöpften Wasserreserven wieder auffüllen konnten und einen Nèflebaum fanden. Wie ich gerade erst herrausfinde, heißen Nèfle auf Deutsch "Mispel". Dieses Obst ist nicht so bekannt in Deutschland. Ich kannte es vorher nur unter dem Namen "Nespole". Aber die Früchte schmecken super lecker und wachsen hier wie Sand am Meer. Am Ende unserer ersten Etappe führte der Weg dann allerdings über eine große Landstraße, wo es nichtmal einen Wanderweg gab. Zum Glück hatte uns ein netter Spanier vorher einen Alternativweg erklärt, für den wir uns freudig entschieden. Das war ein Glückstreffer, denn so entdeckten wir einen Fluss in der Nähe von Bàscara, an dem wir die perfekte Stelle zum Zelten fanden. Wildcampen ist zwar nicht erlaubt in Spanien, aber deutlich günstiger als ein Campingplatz. Naja, ganz so perfekt war der Platz dort doch nicht, denn auf einem sehr steinigen Boden ist es richtig schwierig, ein Zelt mit Heringen im Boden zu befestigen. Unser Abendessen, dass wir auf unserem Gaskocher kochten und eine anschließende Dusche im Fluss machte das aber wieder wett. Es war schon richtig idyllisch.
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| erste Etappe - Ausblick auf die Berge |
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| das Dorf, in dem wir die Spur verloren |
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| unser super toller Zeltplatz |
Tag 2
Nach einem gemütlichen Frühstück am Flussufer machten wir uns wieder auf den Weg. Der nächste Ort war Bàscara. Hier kamen wir an einem kleinen Feld vorbei, auf dem uns die Salatköpfe nur so anlachten. Kurzerhand haben wir uns einen gemopst. Im Dorf deckten wir uns wieder mit dem Nötigsten ein und weiter ging's. Diese Etappe war die Schönste unserer gesamten Wanderung. Wir liefen durch einen Kiefernwald und durch Felder. Die Sonne schien, es war heiß, aber es wehte ein angenehmer Wind. Die Aussicht war super! Nach unserem Mittagslager zog sich der Himmel allerdings zu. Es roch nach Regen. Schnell machten wir uns also wieder auf den Weg, um vor dem Gewitter im nächsten Dorf anzukommen. Da hatten wir richtig Glück, denn als es gerade zu regnen begann, fanden wir eine Scheune, in die wir uns flüchteten. Hier harrten wir das Gewitter aus und kuschelten uns in einen Heuhaufen. Irgendwie hatten wir uns nicht den besten Zeitpunkt für unsere Wanderung ausgesucht. Mutig liefen wir nach dem Regen weiter. Ein Mann warnte uns noch vor dem schlechten Wetter. Wir wanderten über Feldwege, auf denen wir klitschnasse Füße bekamen, weil das Gras so nass war. Wir durchquerten einen Wald, in dem wir noch nassere Füße bekamen, weil der komplette Waldweg unter Wasser stand und uns teilweise ein richtiger Bach den Weg versperrte. Wir liefen über eine kleine Straße, überlegten uns gerade noch, ob wir unsere Route für heute etwas ändern sollten (es grummelte in einiger Entfernung), da hielt ein Auto mit einem alten Opi drin an. Er bot uns an uns mit ins nächste Dorf zu nehmen. In weiser Vorrassicht nahmen wir sein Angebot an. Kaum saßen wir im Auto, fing es an zu schütten. Im nächsten Ort wollten wir uns eigentlich ein Hostel oder sonstwas zum Schlafen suchen; zelten war gerade bei dem Unwetter etwas unpraktisch. Es stellte sich aber leider heraus, dass es keine einzige Schlafmöglichkeit hier gab. Was blieb uns also übrig, als uns an die Straße zu stellen und unseren Daumen rauszuhalten. Danach hatten wir nicht mehr nur nasse Füße, sondern waren komplett durchnässt. Eine nette Spanierin nahm uns mit nach Medinyà, wo wir uns zwangsläufig ein Hotelzimmer nahmen. Das nutzten wir, um eine warme Dusche zu nehmen und einen heißen Cappuccino zu trinken. Unser Abendessen bereiteten wir allerdings wieder auf dem Balkon auf unserem Gaskocher zu.
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| auf dem schönsten Streckenabschnitt |
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| das Dorf unserer Rettung - Unterschlupf vor dem Gewitter |
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| selbst die Sonnenblumen lassen ihre Köpfe nach dem Regen hängen |
Tag 3
Ute war an diesem Tag sehr gut gelaunt und unterhielt mich mit "schönen" Liedern auf dem Weg. Nachdem der Weg ganz gut anfing und der meiste Teil durch einen Wald entlang eines Flusses führte, wurden wir nachher sehr enttäuscht. Ein weiteres Mal mussten wir über eine noch größere und sehr viel befahrene Landstraße laufen. Hier gab es nichtmal einen Seitenstreifen. Wir mussten eine Brücke überqueren und uns hinter der Leitplanke auf einem etwa 20 cm breiten Stück Straße entlanghangeln. Das war echt nicht mehr witzig und ganz schön gefährlich. Kurz darauf kamen wir in Sarrià de Ter an und landeten auf einem spanischen Markt. Das besserte unsere Laune stark auf. Allerdings braute sich nach unsere Mittagspause schon wieder etwas über uns zusammen. Als es kurz anfing zu regnen suchten wir auf der Terasse eines leerstehenden Hauses Unterschlupf. Nach dem kurzen Schauer wollten wir unsere Wanderung aber endlich fortsetzten. Es macht keine Spaß, wenn man immer den Regen abwarten muss. Man sucht ständig die Umgebung nach Unterschlüpfen ab. Nicht nur das haben wir durchgehend gesucht. Unsere Augen haben sich auf gelbe Jakobswegmarkierungen, blaue Wanderschilder, Obstbäume und Wasserquellen spezialisiert. Nach nur weniger Zeit erreichten wir überraschenderweise bereits unser Ziel Girona! Es war erst mittags, also beschlossen wir die Zeit zu nutzen, um einen geeigneten Zeltplatz zu finden. In Stadtnähe finde ich das gar nicht so einfach. Wir fanden aber schnell einen Park, in dem nicht viel los war, und die perfekte Stelle. Hinter Bäumen versteckt konnte uns eigentlich niemand sehen. Trotzdem bauten wir unser Zelt erst bei Dämmerung auf - wir wollten nichts riskieren.
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| Eidechse! |
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| Mittagspause in Sarrià de Ter mit unseren neuen Hosen ;) |
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| zweiter perfekter Zeltplatz |
Tag 4
Unseren letzten Tag wollten wir gemütlich angehen lassen. Wir ließen uns viel Zeit beim Frühstücken und bei der Morgentoilette und nahmen uns dann die Stadt vor. Sie ist so wunderschön! Das Erste, was man sieht, wenn man in die Altstadt gehen will, ist der Fluss Ter, der von einer kunterbunten Häuserfassade gesäumt ist. Die bunten Häuser sind wirklich typisch spanisch. Aber auch die Altstadt hat mich sehr fasziniert. Die vielen kleinen Gassen und Treppen, der Park mit Ruinen und Stadtmauer - die Stadt hat wirklich Charme. Nach einem Tag Herumlaufen waren wir allerdings nur noch müde. Im Enteffekt waren es ja auch vier Tage nur Herumlaufen. Und das mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Was waren wir froh, als wir abends endlich im Auto saßen und uns unser Blablacar-Fahrer bis nach Hause brachte.
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| das Wahrzeichen Gironas |
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| eine der typischen Gässchen und Treppen |
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| mein Lieblingsfoto :) |
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| ich auf der alten Stadtmauer |
Für mich waren diese vier Tage wirklich ein Abenteuer. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht. Es ist echt eine Erfahrung, wenn man von so vielen äußeren Einflüssen abhängig ist: vom Wetter, von Wasserquellen, von Plätzen, wo man gut wildcampen kann etc. Auch der Fakt, dass wir keine Wanderkarte hatten und ausschließlich auf die Beschilderung angewiesen waren, war nicht zu unterschätzen. Im Prinzip hatten wir keine Ahnung von nichts und konnten uns noch nichmal wirklich in dem Land verständigen. Und dann haben wir auch noch so "illigeale" Sachen gemacht, wie Wildcampen. Ich finde es schade, dass es in so vielen Ländern verboten ist (auch wenn ich das teilweise verstehen kann), aber bin ich dann doch neidisch, wenn mir eine Freundin in Finnland erzählt, dass das bei denen erlaubt ist. Wir haben unser "Haus" sozusagen die ganze Zeit auf unserem Rücken getragen, was auch sehr schmerzhaft war auf Dauer. Ich würde euch diesen Teil des Jakobswegs keinesfalls empfehlen, auch wenn wir schönen Streckenteile hatten. Ich denke, dass man doch eher einen der Hauptwege einschlagen sollte, um wirklich einen guten Wanderweg zu haben. Mir hat unser kleines Abenteuer aber sehr viel Spaß gemacht! Und es war tatsächlich, trotz der schweren Last, sehr erholsam.
¡Hasta la vuelta amigos!
Wunderschön geschrieben und die Bilder sind auch der Hammer! :-)
AntwortenLöschenRahel